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Affenhitze, Afro und Abzocke

 

So langsam haben wir uns ja schon an den chaotischen indischen Verkehr gewoehnt, der irgendwie sein eigenes System zu haben scheint. Bis "Schimogga Schmogga Schmogga!", wie die Busfahrer hier gerne und laut rufen, verging die Fahrt dank vier indischer Jungs, die mit uns Smalltalk hielten, wie im Fluge. Doch ab dort zog sich die insgesamt neunstuendige Fahrt nur noch wie Kaugummi. An Schlaf war dank der schlechten Strassen und Speadbreaker nicht zu denken - der Ruecken schmerzte, der Hintern brannte und die Luft wurde immer smoggiger und stickiger.

Endlich in Hampi angekommen nahmen wir die erstbeste Bleibe und blieben dort eine Nacht lang. Als wir beim Abendessen waren, ueberraschte uns der erste starke Regenfall. Doch die Luft danach war sehr angenehm.

Die Hitze weckte uns frueh, sodass wir direkt auscheckten und mit der Faehre zur anderen Seite von Hampi fahren konnten. Am Fluss sahen wir einige indische Menschen, die sich und ihre Waesche im Fluss reinigten und zum Trocknen auf die Steine legten.


Der erste Eindruck war schon recht gut und die Aussicht auf die grossen Felsen, die Steinlandschaft und die Tempelruinen war eindrucksvoll.


Dank des Reisefuehrers fanden wir schnell unsere Unterkunft "Manju"s Place" und zogen in eine kleine geraeumige Huette zwischen wundervoll gruenen Reisfeldern. Die zahlreichen Mango- und Limettenbaeume, sowie Bananen- und Kokospalmen sorgten fuer eine idyllische Atmosphaere zwischen den Steinhaengen.


Fuer den naechsten Tag buchten wir eine vierstuendige Fahrradtour, um die beruehmten Tempel und Ruinen der Stadt zu besichtigen. der Ausflug war sehr informationsreich und interessant, aber durch die 42 Grad in der Mittagshitze kaum auszuhalten. Von der Anstrengung am Tag waren wir am Abend ziemlich schlapp und entspannten uns nur.

 

 

Erste gesundheitliche Probleme bahnten sich bei unserem Fabi an und wir entschlossen uns, es die naechsten Tage etwas ruhiger angehen zu lassen.

Es wurde von Tag zu Tag immer heisser, sodass selbst die Tiere eine kleine Abkuehlung noetig hatten. So konnten wir beobachten, wie die Einheimischen einen Elefanten im Fluss badeten und sauber schrubbten.


Als wir am Abend zum Kochen bei einer indischen Familie verabredet waren, gingen wir durch die Tempelanlage, um den Mann zu treffen, mit dem wir bereits am Vortag die Tour gemacht hatten. Kaum passierten wir den grossen Tempeleingang, kam auch schon schnurstraks ein Affe auf Maria zu und wollte ihr die Saftflasche, die sie in der Hand hielt, stibitzen. Als der Affe zu ihr hochspringen wollte, warf sie die Flasche vor Schreck zu Fabi. Ein anderer deutscher Reisender beobachtete das lustige Spektakel, so kamen wir mit ihm ins Gespraech und er begleitete uns zur Cookingclass.


Es war sehr interessant mal in das Leben einer indischen Familie schauen zu duerfen. Sie hatten zwei Raeume zur Verfuegung: eine kleine Kueche, in der es sehr viel Kuechengeschirr (Toepfe, Schuesseln), eine Gasherdplatte und eine kleine Gebetsecke gab - und ein Schlaf-/Wohnzimmer mit einem Schrank, einem Fernseher und sonst nur einer Art Strohteppisch, auf dem sich das komplette Familienleben abspielt.


Das Essen war sehr zwiebel- und knoblauchlastig, wovon es uns, in Verbindung mit der Hitze, am naechsten Tag nicht viel besser ging. Zum Glueck konnten wir uns am Abend noch aufrappeln und liehen uns ein paar Mofas aus.


Es war einfach super! Ein wundervolles Gefuehl von Freiheit machte sich breit, als wir durch wunderschoene Landschaften, vorbei an vielen Reisfeldern, grossen Gesteinsbrocken und durch kleine Doerfer fuhren. Unser Ziel war es, zu dem beeindruckenden See zu gelangen, von dem uns schon einige Leute erzaehlt hatten. So verbrachten wir einen tollen Nachmittag, sahen einen Eisvogel und kamen mit Anbruch der Dunkelheit mit den Mofas in unsere Huette zurueck.


Der naechste Tag sollte relativ normal und ruhig beginnen, dann zunehmend verrueckter werden und schlussendlich im Chaos enden. Nachdem wir uns geduscht und unsere Sachen gepackt hatten, checkten wir in "Manju"s Place" aus und fuhren mit der Faehre zur anderen Seite, um dort ein letztes Mal in "Gopi"s Rooftop Restaurant" zu fruehstuecken.

Schon ein paar Tage zuvor waren wir dort fruehstuecken und beobachteten zwei gruene Papageien in ihrem Kaefig auf dem Balkon. Als wir an diesem Morgen nur noch einen Vogel auf seinem Kaefig sitzen sahen, erzaehlte uns der Besitzer, dass sein Freund weggeflogen sei und der Zurueckgebliebene aufgrund einer alten Verletzung nicht mehr fliegen koenne. Fabi machte noch ein Bild von ihm und wir beobachteten eine Weile, wie er auf seinem Kaefigdach hin- und hertaenzelte. Kurze Zeit spaeter hoerten wir ein seltsames Geraeusch. Fabi schaute ueber den Balkon nach unten auf die Strasse und sein Gesichtsausdruck sagte alles.


Das konnte ja nur ein schlechtes Omen bedeuten!

Unsere Reise nach Puttaparthy wurde uns von mehreren Seiten als voellig unkompliziert beschrieben. Lediglich zwei Mal sollten wir umsteigen und schon sei man am Ziel - denkste Puppe! Ein Tuktukfahrer empfahl uns mit dem Zug zu fahren, also warteten wir rund zwei Stunden lang auf einen komplett ueberfuellten Zug, in den sich noch einige hundert Leute hinein draengten und sogar auf der letzten Stufe hingen, um noch mitfahren zu koennen. Schweren Herzens entschieden wir uns gegen diese "bequeme" Fahrt und fuer eine freudig heisse Fahrt mit dem Bus.

Der versprochene Direktbus in der naechsten Stadt endete jedoch in einer insgesamt siebenstuendigen Fahrt vollkommen ohne Plan und mit der staendigen Hoffnung endlich eine direkte Verbindung nach Puttaparthy zu bekommen. Als wir dann nur noch 40km entfernt waren, gab es jedoch keinen Bus mehr, da es bereits weit nach 22:00 Uhr war. Noch nie waren wir so froh eines der kleinen gelb-schwarzen Gefaehrten auf drei Raedern (Tuktuk) zu sehen, das uns schlussendlich an unseren Wunschort brachte. 

 Um diesem vollkommen chaotischen Tag die Krone aufzusetzen, hatte Fabi, als wir ausstiegen, den kompletten Schoss mit Marias geplatzter Sonnenmilch beschmiert, ebenso wie deren Rucksack und zu guter Letzt bemerkten wir auch noch, dass Kaddis neue Hose am Heck komplett aufgerissen war. Da mussten wir alle aus Erschoepfung und ein bisschen Wahnsinn ganz schoen lachen, waehrend der Gasthausbesitzer auf das Geld seiner drei neuen, lodderigen Bewohner wartete. Was fuer ein verrueckter Tag! :D


Die kleine Stadt Puttaparthy ist der Geburtsort von Shri Satya Sai Baba, einem heiligen Heiler und Hellseher, um den sich das komplette Stadtleben dreht. Kaum vorstellbar, wie sehr die Bewohner der Stadt ihn verehren und ihn durch Plakate, Schluesselanhaenger, Poster, Aufkleber und allem nur denkbaren Ramsch in den Alltag integrieren. Die komplette Stadt ist im Baba-Wahn - sein Afro ist einfach immer praesent. Ueberall in der Stadt sind Zitate Babas auf Steintafeln geschrieben, der fuer die Menschen viel Gutes getan hat. Unter anderem liess er zahlreiche Hochschulen errichten, Strassen, Museen und ein grosses Krankenhaus bauen, fuer das niemand Gebuehren zahlen muss. Ausserdem entwickelte sich dank seiner zahlreichen Anhaenger, das einst kleine Dorf zu einer Stadt.

 

Eine kleine Rundfahrt mit dem Tuktuk fuehrte uns zu einigen heiligen Meditationsorten, bei denen wir zum Beispiel in einer Art Minikeller sassen und unter "den Augen Babas" in uns gehen konnten oder in einem Tempel, in dem eine weisse Babastatue vorzufinden war, deren Fuesse wir beruehren sollten. Danach bekamen wir, wie auch zuvor, mit Pulver einen Hindupunkt auf die Stirn, Ketten und Bonbons. ;D


Auf dem Ashramgelaende war alles strikt nach Frauen und Maennern getrennt: Eingaenge, Schlaf-, Essens- und Gebetsraeume und sogar die Anstellschlangen am kleinen Kiosk.

 Am Abend kamen wir wieder gut mit einigen Verkaeufern ins Gespraech und bis auf die vielen armen und bettelnden Menschen fiel der Eindruck der Stadt recht positiv aus.

 

Am naechsten Tag machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Bangalore, wo wir jedoch nur eine Nacht bleiben wollten. Zu unserer Ueberraschung ist die Stadt gruener und schoener als wir sie uns vorgestellt hatten. Einer der Gruende fuer unseren Aufenthalt in einer der groessten Staedte Indiens war der Besuch eines Bollywoodfilms im Kino. Wir schauten uns den Film "Queen" auf Hindi an, den wir dank der vielen englischen Dialoge erstaunlich gut verstanden und als sehr witzig empfanden.


Bevor wir jedoch ins Kino durften gab es eine Taschenkontrolle, bei der wir die Kameraakkus und unsere Schokolade abgeben mussten. Ganz schoen streng - dachten wir uns und sahen im Foyer eine Tafel, auf der alle verbotenen Dinge aufgelistet waren, z.B. Kaugummis und HELME.

Bevor wir am naechsten Tag weiter nach Mysore fuhren, besuchten wir noch den Rajamarket in Bangalore, wo es besonders viel Schmuck und Stoffe zu sehen gab. 


In Mysore lernten wir den Tuktukfahrer Aslam kennen - auf den ersten Blick ein sehr freundlicher und zuvorkommender Junge. Doch bald ahnten wir, dass dies eine Fassade war. Er zeigte uns eine Unterkunft in der Stadt und lud uns am naechsten Morgen zum Fruehstueck bei seiner Familie ein. So kauften wir Eier, Milch, Mehl, Zucker und Wasser ein und bereiteten gemeinsam mit seiner Cousine Chapati und Omlett zu.

Die versprochene Sightseeingtour begann direkt danach in einem Hinterstuebchen, in dem Oele und Raeucherstaebchen angeboten wurden. Aphrotisiert von den ganzen Dueften verfielen wir bald dem Kaufrausch. Anschliessend ging es tatsaechlich zu einer Sehenswuerdigkeit, dem Maharadscha Palace.


Der Hof des Palastes war sehr schoen - tolle Pflanzen, riesige Baeume, Elefanten, Kamele und ein Palast wie aus 1000 und einer Nacht. Von innen war der Palast auch sehr eindrucksvoll und voller Prunk, doch leider mussten wir fuer jede Kleinigkeit einen Tip bezahlen, was uns ganz schoen gegen den Strich ging. Zum Beispiel dafuer, dass unsere Schuhe aufbewahrt wurden und fuer eine voellig witzlose Taschenkontrolle. Am meisten jedoch vermieste uns die Laune, als ein paar Sicherheitsleute deutsche Muenzen sehen wollten und diese einfach behielten ohne zu fragen - und wie soll es auch anders sein, verstanden sie ploetzlich auch kein Englisch mehr. Veraergert verliessen wir das Palastgelaende.


Wir sahen noch ein paar weitere sehenswerte Orte, doch leider war unser Trip nach Mysore mehr eine Ansammlung von nervigen Verkaufsfahrten.


Am naechsten Tag fuhren wir erneut zum Fruehstueck zu Aslams Cousine und anschliessend nach Srirangapatnem. Dort besichtigten wir unter anderem einen Fluss, dessen Zustand uns sehr traurig stimmte. Zum Teil badeten sich die Leute darin und wuschen ihre Waesche und trotzdem warfen sie ihren Muell und alte Kleidung einfach hinein - eine einzige ekelhafte Muellhalde! Nach Aslams Erklaerung war uns die Einstellung der Leute in Sachen Muellentsorgung klar: "Wenn die Monsunflut kommt, nimmt sie alles mit sich fort. Und dann ist es wieder weg." - Da fehlt einfach jegliche Bildung, ganz nach dem Motto: "Aus den Augen, aus dem Sinn."


 Der Markt von Mysore gefiel uns jedoch sehr gut. Frisches Gemuese und Obst, bunte Farben, Blumen, duftende Gewuerze und Oele konnte man an mehreren Staenden sehen. Hier erfuhren wir auch, dass wir bei unserem Oelkauf in der Stadt vermutlich uebers Ohr gehauen wurden. Wem soll man da noch glauben?! Schwierig, aber wir aergern uns trotzdem ein wenig ueber unsere Gutglaeubigkeit.


Frueh reisten wir am naechsten Tag weiter nach Madikeri. Dort suchten wir uns eine Bleibe, die im Reisefuehrer folgendermassen beschrieben wird: "Anchorage Guest House; absolut schlichte Zimmer mit Bad, aber in einer ruhigen Nebenstrasse in der naehe des Busbahnhofes" Diese vollkommen harmlose Darstellung brachte uns ganz schoen zum Lachen, denn als wir die Zimmer besichtigten, fanden wir uns in einer vollkommen heruntergekommenen Bruchbude wieder, mit Schimmel an den Waenden, kaputten Betten und einem ekelerregenden Badezimmer. Im Nebenraum, in dem sie offensichtlich den Muell lagerten, wollten sie extra fuer uns noch aufraeumen, doch wir versichteten gerne - nicht fuer 300 rupees!

Schlussendlich zogen wir in ein netten Zimmer in der "Kodagu Residency". Wir machten uns auf den Weg zu den Abbey Falls, doch dieses Mal nicht mit einem Fahrzeug, sondern zu Fuss. Dieser rund 10km lange Spaziergang fuehrte uns vorbei an schoenen bluehenden Kaffeeplantagen, kleinen Waeldchen und duftenden Blumen zu einem Wasserfall. 


Anschliessend kauften wir Gemuese und kochten uns am Abend eine leckere Suppe. Was wir nicht wussten war, dass auch in der Kraeutermischung eine Menge Chili drin war. Ein schoener letzter Abend.

Mit dem Abschied von Madikeri verabschiedeten wir uns auch vom Bundesstaat Karnataka und machten uns auf den Weg nach Kannur in Kerala. 

FORTSETZUNG FOLGT.....

24.4.14 14:54

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