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Fischerboote, Filmdreh und franzoesischer Flair

Als wir nach sechseinhalbstuendiger Busfahrt in Alleppey ankamen, begegneten wir direkt einem Inder namens Sagar, der uns ein Zimmer fuer 400 rupees anbot, welches direkt am Strand liegen sollte. Wir sind mittlerweile etwas vorsichtiger geworden, was solche Angebote anging, und waren erst einmal skeptisch. Dieses Angebot klang fast schon zu gut, um keinen Haken zu haben.


Wir fuhren dennoch mit, um uns das Ganze anzusehen und waren positiv ueberrascht. Die Zimmer sahen vernuenftig aus und der Preis blieb wie bisher besprochen, also bezogen wir unser Zimmer im "Funky Art Beach House" und lernten kurz darauf auch Huendin Siggi und den Englaender Paul kennen. Paul ist mit Sagar befreundet und lebt schon seit einer Weile in Indien. Er versucht in Schulen und Colleges den Kindern Umweltbewusstsein und Muellentsorgung nahe zu bringen, was wir sehr befuerworten. Wir unterhielten uns eine Weile mit ihm und gingen spaeter zusammen im Meer baden.

 

Auf Empfehlung unserer beiden neuen Bekanntschaften gingen wir am Abend ins "Dreamers", wo wir bei schoener Atmosphaere und leckerem Essen den Tag ausklingen liessen. Waehrenddessen telefonierten wir auch mit Rinu, unserem Freund aus Wayanad, der fuer uns eine Hausboottour in den Backwaters klar machen wollte. Seit unserer Abreise aus Wayanad standen wir beinahe taeglich mit ihm in Kontakt und ueberlegten auch, ihn noch einmal zu besuchen.

Am naechsten Tag wartete eine lange Liste von Freunden und Verwandten auf uns, die allesamt eine Postkarte aus Indien haben wollten. Und auch wenn der erste Schwung an unsere Familien schon laengst weggeschickt war, waren es doch noch so viele, dass wir den kompletten Tag hauptsaechlich damit verbrachten Postkarten zu schreiben...viele, sehr sehr viele Postkarten.


 Waehrenddessen erreichte der Mexikaner Alex das "Funky Art Beach House" und zog in das Zimmer neben uns ein. Alex reiste  ebenfalls schon eine Weile durch die Lande und erzaehlte tolle Geschichten von seinen Reisen und Bekanntschaften. Es ist fuer uns immer wieder interessant uns auch mit anderen Reisenden auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. Spaeter gesellte sich auch noch Fernando hinzu, was besonders Alex sehr erfreute, da er auch aus Mexico kam.


Wir alle versuchten Paul an diesem Abend im Schach zu besiegen, doch jeder Versuch scheiterte klaeglich und auch in den naechsten Tagen sollte das so bleiben.

 

Am naechsten Tag hattem wir einen Trip mit einem kleinen Boot durch die Backwaters geplant, zu dem uns Alex begleitete. So standen wir am naechsten Tag frueh auf, um uns auf den Weg zur Faehre zu machen, die uns direkt dorthin bringen sollte.


Nach einem indischen Fruehstueck bei einer Familie, deren Haus direkt am Wasser lag, schipperte unser Kapitaen uns mit seinem kleinen Boot aufs Wasser hinaus.

 

Wir fuhren durch kleine Kanaele, in denen alles sehr still und friedlich wirkte und der Blick auf das Wasser, umgeben vom Gruen der Baeume und Palmen war atemberaubend schoen. Wir sahen einige Hausboote, badende Menschen, Angler und einen Mann, der mitten auf dem Fluss eine Horde Enten vor sich her trieb. Zwischendurch fuehrte uns ein Stop zu einer kleinen Bar, in der Kokusnussbier angeboten wurde, das jedoch scheusslich roch und uns allen, bis auf Alex auch nicht viel besser schmeckte. Die wundervolle Fahrt endete wieder im Haus der Familie, wo es zum Abschluss noch ein leckeres Mittagessen gab, das auf Bananenblaettern serviert wurde.

 

Die Faehre brachte uns zuruck nach Alleppey und wir kauften mit Paul und Alex Zutaten fuer unser Abendessen ein. Auf dem Rueckweg sahen wir ein paar Kinder Kricket spielen und die Jungs mischten sofort mit. Der Jubel ist gross, als sie es nach mehreren Versuchen endlich schaffen den Ball zu treffen. Wir kochten Gnocci mit Tomatensosse und allen schmeckte es prima. Da freute sich besonders unser Fabi sehr.


Am naechsten Tag machten wir uns auf den Weg zum Marari Beach, einem schoenen Palmenstrand, den wir mit dem Bus erreichten. Dort entspannten wir uns erst einmal eine Weile im Schatten der Kokospalmen und gingen im Meer schwimmen. Die Wellen waren jedoch so gross und kraeftig, dass wir vom Sog ins Wasser gezogen wurden, um kurz darauf wieder an den Strand zurueck gespuelt zu werden. Ein herrlicher Strandtag, der mit einem guten Essen im "Dreamers", einem leckeren Eis und lustigen Unterhaltungen mit unseren liebgewonnenen Bekanntschaften, auf der Terrasse endete.


Am naechsten Tag war mal wieder Sachen packen angesagt, da wir unseren Hausboottrip antreten wollten. Aufgrund von Unstimmigkeiten bei der Buchung fiel dieser jedoch leider aus und wir entschieden uns direkt zum naechsten Ort nach Varkala zu fahren.

Wir verabschiedeten uns von Sagar, Paul und unserer liebgewonnenen Hundefreundin Siggi und machten mit Alex aus, dass wir uns am naechsten Tag treffen, da er auch nach Varkala nachkommen wollte.


Der Zug brachte uns zu unserem Zielort und wir bezogen ein nettes Zimmer im "Shiva Garden", einer sehr schoenen Unterkunft mit Garten, Bungalow und sehr freundlichen Gastgebern.

Auf der Suche nach einem Restaurant an den Klippen fiel uns direkt das "ABBA" auf, in dem es sich bereits einige Touristen gemuetlich gemacht hatten. Generell waren in diesem Ort wieder mehr Reisende anzutreffen, als in den anderen Staedten zuvor. Schluerfende Kellner mit extrem schlechter Koerperhaltung brachten uns unser Essen und wir tranken ein paar Cocktails, bevor wir in unser Zimmer zurueck gingen.


Am naechsten Tag gingen wir zum Strand, der an einer Steilkueste lag und fanden dort kein einziges schattiges Plaetzchen vor. Also liehen wir uns zwei kleine Sonnenschirme aus und legten uns darunter. Die Meeresstroemungen waren wieder so stark, dass man es kaum weit hinein schaffte. Wir blieben noch eine Weile unter unseren Sonnenschirmen liegen bis ploetzlich ein grosses Gewitter aufzog. Erst zurueck in unserer Unterkunft bemerkten wir, dass die Sonne anscheinend so stark war, dass wir trotz Sonnencreme und -schirm einen schlimmen Sonnenbrand bekommen hatten. Zum Glueck gibt es Panthenolspray und After Sun Lotion.

Beim Abendessen lernten wir einen Australier, einen Amerikaner und einen Inder aus Delhi kennen, mit denen wir uns eine Weile unterhielten. Auch unser mexikanischer Freund Alex hielt sein Versprechen und gemeinsam verbrachten wir einen lustigen Abend, an dem wir ihnen das Spiel "Black Stories" nahebrachten, von dem sie auch sehr begeistert waren.


Wie auch in den naechsten Tagen, gingen wir ins "Kerala Cafe" fruehstuecken. Dort bekommt man fuer 200 rupees (umgerechnet 2,40 Euro) ein sehr leckeres und ueppiges Fruehstueck: eine Auswahl an Toast, ein Omlett, Bratkartoffeln, ein Heissgetraenk, einen frischgepressten Saft, Cornflakes oder Muesli und einen Obstsalat. So ein gutes Fruehstueck hatten wir selten zuvor.

Als wir es uns spaeter mit Alex im Garten gemuetlich gemacht hatten, kam ploetzlich Jayan, der Besitzer des "Shiva Garden" zu uns und fragte, ob wir Lust haetten als Komparsen in einem indischen Kinofilm mitzuwirken. Der Film hiesse "Peruchazhi" (uebersetzt grosse Ratte) und ist eine Mollywoodproduktion. Das "M" steht hierbei fuer Malayalam, die Sprache Keralas. Als Aufwandsentschaedigung wuerden wir eine kostenlose Unterkunft, Verpflegung und 1000 rupees pro Person bekommen. Der Hauptdarsteller des Films, Mohanlal, ist ein bekannter und sehr beliebter Schauspieler in Indien.

Wir hatten circa fuenfzehn Minuten Zeit zu ueberlegen und unsere Sachen einzupacken und fuhren direkt zum Filmset nach Kollam. Dort angekommen wurden Fabian und Maria in ein Businessoutfit gesteckt und danach fuehrte man uns zum Drehort.


Die Szene spielte in einem grossen Hotelsaal und stellte eine indo-amerikanische Fundraisingparty dar. Als Partygaeste wurden wir im Raum platziert und hatten die Aufgabe ab und zu durch das Bild zu laufen, zu klatschen und tanzen oder einfach ein Glas zu halten und uns zu unterhalten.

Das Hauptaugenmerk lag auf einer Tanzszene, bei der sechs professionelle Taenzerinnen aus Amerika dabei waren, die die erst am Set gelernten Schritte schnell beherrschten. Bei der indischen Taenzerin, die in Indien als Popgirl (It-Girl) bekannt sei, sah dies jedoch anders aus. Sie brauchte eine kleine Ewigkeit, um den Tanz zu lernen, wodurch sich der Dreh in die Laenge zog und Szenen mehrmals wiederholt werden mussten.

Nach Drehschluss gab es Abendessen mit allen Komparsen aus den unterschiedlichsten Laendern und wir fuhren zu unserem Hotel. Zur Belohnung bekamen wir noch jeweils zwei Mangos, eine Flasche Wasser und Kingfisher- Bier.


Im Hotel bezogen wir ein grosses, geraeumiges Zimmer und unterhielten uns noch eine Weile mit den Jungs der Filmcrew. Dabei erfuhren wir wieder einiges ueber ihre Religion (den Hinduismus) und tauschten uns gegenseitig aus. Prompt hatten wir bei ihnen einen Stein im Brett und wurden am naechsten Tag beim Dreh des oefteren in den Vordergrund gerueckt und bekamen kleine Rollen in einigen Szenen.

Alle Komparsen waren noch sehr muede von der langen Nacht am Vortag und schienen wenig motivert, doch die Choreografen schafften es die Crew zu animieren und sorgten fuer Stimmung.

Auch an diesem Tag warteten alle darauf, dass die Taenzerin ihre Schritte beherrschte und dann konnte es endlich losgehen. Eigentlich wollten wir noch ein Foto mit Mohanlal machen, doch der Hauptdarsteller machte sich waehrend einer Szene klammheimlich aus dem Staub und am Filmset war es nicht erlaubt Bilder zu machen. Trotzdem schaffte es Kaddi mit der Handykamera ein paar Eindruecke einzufangen und ein Foto von der kompletten Filmcrew zu schiessen. Alle jubelten und klatschten, als es schliesslich hiess: "Finish"


Fazit: Auch wenn es oft Momente gab, an denen wir uns langweilten, weil wir nichts zu tun hatten, war es eine spannende und interessante Erfahrung bei einem solchen Filmdreh dabei zu sein, die wir sicherlich nicht so schnell vergessen werden.

Wir wurden zurueck nach Varkala zu unserer Unterkunft gefahren und trafen direkt auf Alex, der sich sehr ueber unsere Rueckkehr freute. Wir gingen gemeinsam in der "Sky Lounge" essen und liessen den Abend zu viert gemuetlich ausklingen.

Am naechsten Tag machten wir Maedels eine ausgedehnte Shoppingtour, waehrend Fabi zum Friseur ging. Den Abend verbrachten wir wieder mit Alex. Er und Fabi bestellten sich Krabbe zum Abendbrot und wir sassen noch lange in "Shiva Garden" und verbrachten einen sehr lustigen letzten Abend mit usnerem Mexikaner. Wir hatten ein paar tolle gemeinsame Tage und waren uns sicher, dass wir ihn sehr vermissen werden.


Mit dem Zug ging es weiter zum suedlichsten Punkt Indiens, wo der indische Ozean, das arabische Meer und der Golf von Bengalen aufeinander treffen, nach Kanyakumari. Es regnete, als wir uns die Stadt ansahen und so bekamen wir, wie auch schon in den Tagen zuvor, etwas von den Vorlaeufern des Monsuns zu spueren. Sowohl an der Stadt, als auch an der Umgebung, die wir auf dem Weg dorthin sahen, konnten wir einen deutlichen Unterschied zu unserem liebgewonnenen Bundesstaat Kerala erkennen. Tamil Nadu schien fuer uns weniger gruen, weniger touristisch (was fuer einige Sprachbarrieren sorgte) und nicht mehr so sauber.


Tamil Nadu ist der Bundesstaat Indiens, der sich seit ueber tausenden von Jahren seine Traditionen, Religionen und politische Institutionen erhalten konnte. Ein Beispiel dafuer ist seine Sprache 'Tamil', aus der sich spaeter viele andere indische Sprachen entwickelten, wie uns ein Einheimischer erzaehlte. 

Das Besondere an der Fischerstadt Kanyakumari ist, dass man im April zur Vollmondzeit bei Sonnenaufgang und -untergang den Mond und die Sonne gleichzeitig am Horizont sehen kann. 


Am naechsten Tag ging es weiter nach Tiruchendur, wo wir uns den Tempel ansahen, der direkt am Meer liegt. Wir beobachteten, wie eine Menschentraube um einen Elefanten versammelt war, der sie gegen Geld segnete. Am Strand waren viele Leute anzutreffen, die badeten, Zuckerwatte assen oder auf einem Pony auf und ab gefuehrt wurden. Die komplette Szenerie erinnerte uns an ein Rummeltreiben, wir fielen wieder einmal sehr auf und zogen neugierige Blicke auf uns.


Am Abend hatten wir ein sehr einfaches, doch gutes indisches Abendbrot in unserer Unterkunft und planten bereits am naechsten Tag die Pilgerstadt wieder zu verlassen und uns auf den Weg nach Madurai zu machen.

 

Nach der wohl entspanntesten Busfahrt, die wir je hatten, kamen wir schliesslich in der Tempelstadt an und liessen uns von einem Tuktukfahrer zu einer zentral gelegenen Lodge bringen. Als wir am Nachmittag durch die Stadt liefen, bekamen wir schon einen ersten Eindruck, der nicht besonders positiv ausfiel. Da an diesem Tag zu Ehren der Hochzeit von Gott Shiva und seiner Frau Parvati ein Festival stattfand, waren viele Menschenmassen auf den Strassen und um den Menakshi-Tempel herum unterwegs. Viele Menschen bedeutete viel Muell, ein grosses Gedraengel und Verkaeufer, die versuchten uns in ihre Laeden zu locken. Unbeeindruckt von all dem Gewimmel machten wir nur ein paar Bilder und waren uns einig, dass Tempelstaedte einfach nicht unser Ding sind.


Da uns die Stadt nicht sonderlich gut gefiel und wir gesehen hatten, was es zu sehen gab, verbrachten wir die restliche Zeit dort mit Dingen, fuer die wir sonst keine Zeit hatten. 

Nachdem wir den kompletten naechsten Tag im Bus verbrachten, erlebten wir quasi nichts, erreichten nicht unser Ziel und landeten stattdessen in einer lauten, stinkenden und menschenueberfuellten Kleinstadt, in der es nichts zu sehen oder erleben gab. Die naechsten Tage verbrachten Fabi und Maria, nach einem Besuch beim Doktor, krank im Bett.

Als sie sich nach einigen Tagen wieder besser fuehlten, verliessen wir so schnell wie moeglich den trostlosen Ort und machten uns auf den Weg nach Pondicherry. Nach einem nervenaufreibenden Hin und Her landeten wir endlich in der absolut heissen Stadt, in der es einen franzoesischen und einen indischen Teil gibt. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit fuehlten sich die 38 Grad an wie 48 Grad und man schwitzte selbst beim Nichtstun.


Wir zogen in ein tolles Zimmer im "Nilla" ein und lernten den freundlichen Gastgeber Gilbert kennen. Dort durften wir sogar die Kueche benutzen und machten uns jeden Morgen mit frischen Croissants, die wir in einer franzoesischen Baeckerei kauften, Broten und Omlett ein leckeres Fruehstueck.


Die Strassen, die in der Naehe des Strandes lagen, hatten einen sehr franzoesischen Touch und man konnte nur schwer erahnen, dass man in Indien war. Ausserdem gab es einige franzoesische Boutiquen, Cafes und Restaurants, in denen wir zur Abwechslung mal wieder etwas europaeisches essen konnten.


Nach ein paar Tagen des Faulenzens, packte uns der Drang etwas zu unternehmen, also begaben wir uns auf eine spirituelle Reise der besonderen Art im Oertchen Auroville. In den 1970er Jahren wuchs auf dem heutigen Gelaende nur ein einziger grosser Baum auf sonst trockenem Land. Dieser diente als Lebensraum fuer Tiere und ist heute ein fester Treffpunkt fuer Meditations- und Yogabegeisterte. Gegruendet wurde Auroville von Sri Aurobindo und seiner spirituellen Partnerin Mirra Alfassa, die heute lediglich unter dem Namen 'The Mother' bekannt ist.

 

Zusammen schufen sie ein einzigartiges Projekt, dessen Hauptziele im Naturschutz (Muelltrennung, Recycling, Wasseraufbereitung, alternative Energienutzung etc) Bildung und Gleichberechtigung der Frauen liegen. Das Gelaende sieht aus der Vogelperspektive aus wie eine Spiralgalaxie, dessen Mittelpunkt das Matrimandir, eine riesengrosse goldene Kuppel, bildet. Diese dient Bewohnern und Besuchern Aurovilles als Ort zur stillen Meditation und Bewusstseinserweiterung. Sie wird als Seele Aurovilles bezeichnet und ist keiner Religion oder Sekte zugeordnet. Zu den mittlerweile knapp 2200 Bewohnern zaehlen zahlreiche Menschen aus 45 unterschiedlichen Nationen (den groessten Bevoelkerungsanteil stellen Inder, Franzosen und Deutsche).


Leider sind die vorbildlichen Grundgedanken des Umweltbewusstseins noch nicht allzu weit nach aussen vorgedrungen. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich dies bald aendern wird.


 

Fortsetzung Folgt...

 

28.5.14 12:08, kommentieren

Wunderschoene Bergregionen, wildlebende Tiere und wahnsinnige Lachanfaelle

Wieder beginnen wir mit einer rasanten und zugleich etwas angsteinfloessenden Busfahrt mit quietschenden Reifen und furchtbar stinkenden qualmenden Bremsen. Ein Profil war quasi nicht mehr vorhanden. Von dem Geschunkel und ehrlich furchtbaren Gestank wurde ein paar Kindern so schlecht, dass sie sich sogar uebergeben mussten - prima!

In Kannur angekommen machten wir uns auf die scheinbar nie endende Suche nach einem bezahlbaren Zimmer. Wir mussten feststellen, dass die Stadt, bis auf ihren wunderschoenen Strandteil, gar nicht mal so schoen ist. Also blieben wir fuer ein Schlaefchen im "Saj Inn Hotel".

Als wir abends essen gingen bestellten wir ausdruecklich NICHT scharfes und bekamen dafuer SUPER scharfes Essen. An lange Weile und Entspannung war an diesem Abend nicht mehr zu denken, als wir ploetzlich laute Trommelschlaege hoerten. Sofort stuermten wir zum Balkon und sahen wie ein Umzug mit einigen Leuten, die Fackeln trugen, und drei geschmueckte Elefanten vorbeizog. Ohne lange zu ueberlegen schlossen wir uns dem Treiben an und machten gemeinsam einen Spaziergang durch die Nacht. Es war mal wieder einer von vielen Feiertagen hier in Indien, aber kein Wunder, bei so vielen unterschiedlichen Religionen. 


Am naechsten Tag fuhren wir nach Calicut (Kozhikode) in der Hoffnung dort ein schoenes Plaetzchen am Strand zu finden. Doch als wir dort ankamen fanden wir lediglich Muell Muell und noch mehr Muell. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, sahen wir einen Mann am Strand hocken, der dort wohl gerade sein Geschaeft verrichten wollte und sich etwas von uns gestoert fuehlte. Ein anderer Opi interessierte sich eher weniger fuer uns - er erhob freudig sein Roeckchen, hockte sich nieder und tat was getan werden musste. Hoechste Zeit den Ekelstrand zu verlassen. 


Etwas verstoert von diesem Erlebnis, verbrachten wir den naechsten Tag in einem Shoppingzentrum, in dem es sehr leckeres Essen, Eis, ein 6D-Kino und eine wunderbar erfrischende Klimaanlage gab. Diese kleine Erlebnispause verschaffte uns Zeit, um unsere naechsten Reiseziele zu planen.

Wir beschlossen auf Empfehlung eines sehr netten Mitarbeiters des "Sastapuri Hotels" in die schoene Bergregion Wayanad zu fahren und machten uns am naechsten Tag auch direkt auf den Weg dorthin.


Die Strasse fuehrte uns vorbei an einer wunderschoenen Landschaft aus Kaffee- und Teeplantagen. Der komplette Weg den Berg hinauf war voll mit Menschen, sodass der Bus kaum durch kam. Sie machten anlaesslich des Karfreitags einen Ostermarsch zu einer Kirchenmesse. Unterwegs waren mehrere Gebetsstationen aufgebaut, an denen die Menschen hielten, um an Jesu zu gedenken.

Wir fuhren bis nach Sultan Bathery und bezogen eine nette Unterkunft in der Stadt, das "Kalpaka Tourist Home". Da wir jedoch raus aus der Stadt und mehr in die Natur wollten, machten wir uns weiter auf die Suche.

Gerade, als uns die Fuesse muede wurden und wir uns nach einem Tuktuk sehnten, dessen Fahrer uns evtl. sogar behilflich sein koennte, tauchte aus heiterem Himmel Shanid auf. Ein echter Gluecksfall, wie sich spaeter heraus stellte. Er erzaehlte uns von einem Platz, an dem man ziemlich naturnah in Zelten uebernachten koenne und fuehrte uns zum "The Hill District Club".


Dort bezogen wir am naechsten Tag zwei Zelte, eins fuer uns und eins fuer unser Gepaeck. :D Das Gelaende des Clubs ist besonders einladend fuer Familienausfluege, da es viele tolle Angebote dort gibt. Unter anderem einen schoenen Seerosenteich mit Kletterschiff, einen Spielplatz fuer Kinder, einen grossen Swimmingpool und einen Angelteich, der von Enten und Gaensen umgeben ist. 


Nachdem wir unsere Zelte bezogen hatten, fuhren wir mit Shanid zu den Edakkal Caves und hatten einen 2km langen Anstieg zu bestreiten. Eine wundervolle Aussicht ueber die Berge, das Tal und die kleinen Doerfer lagen vor uns. 

Wir fuhren noch zu weiteren tollen Naturplaetzen, zum Phantom Rock, ein Fels, der aussah, als haette er ein Gesicht, zu einem kleinen See und wir sahen saftig gruene Kaffee- und Teeplantagen.

 


Shanid erzaehlte uns, dass am naechsten Tag seine Cousine heiraten wuerde und weil wir uns so sympathisch waren, lud er uns auch prompt dazu ein. Begeistert sagten wir zu und ueberlegten, was wir anziehen und schenken koennten. Sofort wollte uns auch Shanids Familie kennenlernen und wir fuhren zu seinen Verwandten und zu ihm nach Hause.

Ueberall wurden wir sehr freundlich empfangen und sofort bewirtet. Fabian reichte direkt ueberschwaenglich allen Familienmitgliedern die Hand, was besonders der Oma Unbehagen bereitete. Bei der Verabschiedung verschraenkte sie vorsichtshalber die Arme, um nicht noch einmal in solch eine verlegene Situation gezogen zuwerden. Es ist naemlich nicht Sitte, dem anderen Geschlecht die Hand zu reichen, wie wir spaeter erfuhren. 

Viele neugierige Augen schauten uns an und wir sahen nur laechelnde Gesichter. Selbst die Nachbarn kamen, um den seltenen Besuch zu begruessen, denn es hatte noch nie ein Tourist den Weg in das kleine Dorf gefunden. 

Spaeter fuhren wir in unser Camp zurueck, wo am Abend ein Lagerfeuer mit lauter Musik stattfand. Wir tanzten zusammen mit vier indischen Gaesten aus Mysore und einigen Familien mit Kindern barfuss im Gras und hatten sehr viel Spass dabei.


Vorfreudig aufgeregt standen wir am Morgen der Hochzeit frueh auf, um uns fuer diese herauszuputzen. Shanid holte uns mit seinem Tuktuk ab und wir kauften unterwegs noch ein Saree als Hochzeitsgeschenk fuer die Braut. 

Als wir bei der Feierlichkeit ankamen, waren bereits schon viele Leute vor Ort, die uns neugierig beaeugten und freundlich laechelten. Sofort wurden wir ins Haus gebeten, wo ein kompletten Film- und Kamerateam in Gange war, um Fotos von der Braut und ihren Gaesten zu machen. 

Wir ueberreichten der Braut ihr Geschenk und wurden prompt von den Scheinwerfern geblendet. Ploetzlich waren alle Kameras auf uns und die schoene Braut gerichtet und das Blitzlichtgewitter, begleitet vom Lamettaregen, brach ueber uns ein.


Etwas ueberfordert von dieser ueberraschenden Situation, waren wir froh, als wir endlich in den Nebenraum gefuehrt wurden, um uns dort erst einmal an die Situation zu gewoehnen und alle Eindruecke sacken zu lassen.

Im Anschluss gingen wir zum Essen. Aufgrund der zahlreichen Gaeste wurde in Etappen gegessen, wobei Frauen getrennt von den Maennern auf der anderen Seite des Hauses sassen. Wir Maedels durften jedoch mit auf der Maennerseite Platz nehmen. Wie es in Indien ueblich ist, benutzten alle lediglich die rechte Hand, um das Hochzeitsmahl zu verzehren. Uns wurde zwar ein Loeffel angeboten, doch wir lehnten dankend ab und wollten uns anpassen, was wiederum die uebrigen Gaeste zum Schmunzeln brachte. Da es bei muslimischen Hochzeiten Tradition ist, dass Braut und Braeutigam bis zu dessen Ankunft getrennt feiern, warteten nun alle gespannt darauf, dass der zukuenftige Ehemann vorfaehrt, um seine Frau mit in sein Elternhaus zu nehmen.

Unterdessen waren wir von einigen Kindern umzingelt, die uns Loecher in den Bauch fragten und nicht mehr von unserer Seite wichen. Als es anfing zu regnen, wurden wir von den Nachbarn ins Haus geholt. Wieder blickten uns viele neugierige und schuechterne Augen an, doch alle wollten etwas ueber uns erfahren und Fotos fuers Familienalbum machen.


Waehrend Kaddi spaeter ihre erste Hennabemalung bekam, fuhr der Braeutigam mit lauten Getoese vor. Die komplette Hochzeitsgesellschaft versammelte sich jubelnd um das Brautpaar und die Zeremonie begann. Das Brautpaar, der Brautvater und ein  muslimischer Imam, der die Zeremonie durchfuehrte, kreuzten die Arme vor der Brust und sprachen ein paar arabische Worte aus dem Koran. Nach der Zeremonie brach die Braut in Traenen aus, da nun der Abschied von ihrer Familie bevorstand. Der Brautvater uebergab seine Tochter an ihren Ehemann und sie fuhren gemeinsam in sein Elternhaus. Fuer die Gaeste gab es Chai und sehr leckeren Kuchen und auch Maria bekam nun eine Hennabemalung. Mit dem Ende der Zeremonie endete auch die Feierlichkeit, die jedoch am naechsten Tag (ohne uns) fortgesetzt wurde.


Shanid zeigte uns im Anschluss noch einige schoene Aussichtspunkte der Gegend und wir wurden zu seiner Oma nach Hause eingeladen, wo es noch einmal Tee und Kuchen fuer uns gab.Die Gastfreundlichkeit der indischen Familien beeindruckt uns immer wieder aufs Neue und wir haben vom vielen Laecheln bereits einen Muskelkater in den Wangen. :D


Am Abend unterhielten wir uns sehr lange mit Rinu, dem Geschaeftsfuehrer des "The Hill District Clubs" ueber typisch deutsche Gewohnheiten, Gerichte und Tiere unserer Region. Dabei mussten wir besonders lachen, als er versuchte das Wort "Eichhoernchen" nachzusprechen - es klang einfach zu niedlich.

Wir erklaeren ihm die Spielregeln von "Mensch aergere dich nicht" und "Pasch" und hatten eine Menge Spass an diesem Abend. 

Am naechsten Tag schliefen wir aus und fuhren am Nachmittag zum "Muthanga Wildlife Sanctury", um eine Safaritour mit dem Jeep zu mieten. Es war sehr spannend, denn wir konnten direkt zu Beginn einen Elefanten sehen. Ausserdem sahen wir Pfauen, Affen, Rehe und Hirsche.


Als wir in einen der abgelegeren Wegen einbogen, konnten wir sogar eine ganze Elefantenfamilie sehen, die gerade aus einem Wasserloch kam.


Unser Highlight war jedoch, als wir auf einem Baum einen Leoparden entdeckten, was in diesem Gebiet wohl eine echte Seltenheit sei. Selbst die Tourguides waren sehr aufgeregt. Da waren wir wohl echte Glueckskinder.


Zurueck in unserer Unterkunft plantschten wir erst einmal eine Runde im Pool. Wir hatten sehr viel Spass und machten den ein oder anderen Handstand, was Rinu sehr beeindruckte.

Am Abend zeigte er uns das indische Brettspiel "Carrom", bei dem sich Fabi als echtes Naturtalent entpuppte. Wie auch schon am Abend zuvor, brachte uns Rinu mit seiner manchmal etwas wahnsinnigen Art ganz schoen zum Lachen. 


Der Hoehepunkt der Wahnsinnsstimmung folgte kurz darauf, als wir ploetzlich ein riesengrosses Vieh an der Decke sahen, das aussah wie eine Megafliege und sich spaeter doch als eine Art Grasshuepfer herausstellte. Wir konnten Rinu nicht mehr davon abhalten es zu fangen und uns einmal komplett um den Spieltisch herum zu scheuchen. Sein schrilles Lachen war wahrscheinlich durch ganz Sultan Bathery zu hoeren, als er nicht mehr davon abliess vorzutaeuschen, das schreiende und vibrierende Insekt in Kaddis Hand zu legen, um sie dann doch nur wieder damit zu erschrecken. Als sie schliesslich aufgab und das arme Tier in die Hand nahm, war es kaum noch dramatisch und er gab endlich Ruhe. Nun wussten wir immerhin, was die lauten Geraeusche im Dschungel verursachte.


Eigentlich hatten wir vor am darauffolgenden Tag abzureisen, doch wir wurden gebeten zu bleiben und hatten ohnehin den Plan in Shanids Haus fuer ihn und seine Familie zu kochen. So blieben wir noch einen weiteren Tag.

Gemeinsam mit Shanid kauften wir die Zutaten fuer etwa 10 Personen ein und fingen an uns in der Kueche der Mutter auszubreiten und das Gemuese zu schnippeln. Bald darauf erfuhren wir jedoch, dass der Rest der Familie nicht am Essen teilnehmen wuerde und aergerten uns ein wenig, dass wir so viele Zutaten eingekauft hatten.

Waehrend wir alles vorbereiteten und kochten, wurden wir neugierig von einigen Frauen, u.a. Shanids Mama und Grossmutter sowie Nachbarn, die kritisch alles untereinander auswerteten. Wir hatten nicht das Gefuehl, dass es Shanid sonderlich gut schmeckte, doch er probierte alles und zeigte sich trotzdem dankbar. Die gutbuergerliche deutsche Kueche ist wohl nichts fuer den verwoehnten indischen Gaumen.

Am Mittwoch reisten wir schliesslich ab und wurden zum Abschied noch einmal zum Fruehstueck bei Shanids Famlie eingeladen, die wir mittlerweile sehr ins Herz geschlossen hatten. Da wir der Mama am Vorabend erzaehlt hatten, dass Parotha unser Lieblingsbrot sei, bereitete sie diesen extra fuer uns zu. Ausserdem noch Chapathi, ein Gemuesecurry, Appam (die sie uns auch fuer die Reise mitgab) und, was uns am meisten amuesierte, sie servierte uns auch unsere Sosse vom Vorabend, die sie mit ein paar indischen Gewuerzen aufgepeppt hatte. :D

Bevor wir zum Busbahnhof fuhren, besuchten wir auch noch die Schwester von Shanid und verabschiedeten uns dann schweren Herzens von sehr liebenswerten Menschen und der wunderschoenen Landschaft Wayanands.


Nach einer langen Busfahrt kamen wir schliessliche sehr spaet in der Stadt Palakkad an und entschieden eine Nacht dort zu bleiben, um am naechsten Morgen weiter nach Munnar zu fahren. Wie Shanid und Rinu es uns prophezeit hatten, war es unglaublich heiss in der Stadt und auch in der Nacht kuehlte es sich nicht ab. Wir standen am naechsten Morgen frueh auf und machten uns noch vor Sonnenaufgang auf den Weg, um den ersten Bus nach Munnar zu erwischen. So heiss war es bis jetzt noch nirgendwo so frueh am Morgen.

Am Busbahnhof erfuhren wir dann, dass es mal wieder doch keinen Direktbus nach Munnar gibt und wir wohl wieder eine lange Fahrt mit mehreren Stationen vor uns haben werden. Schon um 5.00 Uhr war der Bus proppevoll und es gab nur noch ein paar Plaetze in den vorderen Reihen, die jedoch ausschliesslich den Frauen vorbehalten waren. Glueck fuer uns Maedels, Pech fuer Fabi!

Bei der naechsten Station erfuhren wir, dass es aufgrund von Streiks im Bundestaat Kerala nicht moeglich sei, an diesem Tag nach Munnar zu gelangen. Kurzerhand entschlossen wir daher, nach Kodaikkanal im Bundesstaat Tamil Nadu zu fahren und uns dort ueberraschen zu lassen. Wir fuhren ca. vier Stunden lang einen sehr engen, kurvenreichen Bergweg hinauf, doch je hoeher wir kamen, desto angenehmer wurde das Klima.


Nach langer Suche mit schwerem Gepaeck, fuehrte uns ein freundlicher Mann zu einer ruhigen Unterkunft, die auf einem Huegel gelegen war und einen schoen bepflanzten Garten hatte, der uns an den unserer Omas erinnerte.


Die sympathische Gastgeberin Umaar zeigte uns ein grosses Zimmer in ihrem "Sri Vignesh Guest House", das wir auch sogleich bezogen. Wir schauten uns etwas um und vereinbarten eine 20-minuetige Bootstour auf dem Bergsee von Kodaikkanal. Als uns der Bootsmann anbot, uns fuer einen kleinen Aufpreis um den kompletten See zu fahren, willigten wir ein. Dass das Ganze nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, wurde uns klar, als er nach nur 5 Minuten wieder umdrehen wollte. Er verlangte dennoch den vollen Preis und wollte das Geld noch bevor wir das Boot verliessen, da lag die Abzockmasche auf der Hand. Gut, dass wir aus der Vergangenheit gelernt hatten, denn wir bezahlten fuer diese Dreistigkeit keinen Cent mehr als es die, im Endeffekt doch nur 20 Minuten, wert war. Wir bummelten noch ein wenig durch die Laeden und erkundeten die Stadt. 


Nachdem wir am naechsten Morgen in Umaars Garten mit leckeren Broetchen aus dem "Pastry's Corner" gepicknickt hatten, besuchten wir den "Bryant's Park", einem botanischen Garten mit bluehenden Baumen und einem Meer aus Blumen der verschiedensten Sorten und Farben. Auch hier wird man schnell auf uns aufmerksam und ganze Scharen von Familien draengen sich um uns und wollen Fotos mit uns machen.


Was uns immer wieder auffiel und belustigte, waren die vielen Leute, die bei ueber 20 Grad  mit dicken Jacken und zum Teil sogar mit Wollmuetzen und Schal bekleidet waren.


Nachdem wir die schoenen Blumen im Park bestaunt hatten, machten wir einen Spaziergang entlang einer englischen Mauer, die an die Besetzerzeit Indiens erinnerte und von der aus man einen tollen Ausblick ueber die Gebirgslandschaft hatte. Am Abend gingen wir in ein Restaurant, dass auch vom Reisefuerer empfohlen wurde. Das Naan-Brot war sehr gut, doch leider war das Essen so scharf, dass uns fast die Traenen kamen und alles im Mund einfach nur brannte.


Am naechsten Tag besuchten wir den "Chettiar Park" und machten dort ein Picknick mit leckerem Gebaeck. Auch dort gab es viele verschiedene Blumen, Baeume und Straeucher zu sehen. Am Abend gingen wir in ein tibetanisches Restaurant und bestellten uns Momos. Die gefuellten Teigbaellchen, die man entweder gekocht oder fritiert bestellen kann, erinnern uns an eine bessere Version von Maultaschen oder Fruehlingsrollen.


Endlich machten wir uns am naechsten Tag auf den Weg nach Munnar. Die insgesamt neunstuendige Fahrt fuehrte uns die Berge hinunten und wieder hinauf, vorbei an Teeplantagen, Taelern und durch dschungelaehnliche Waelder. 

In Munnar angekommen, checkten wir im "Green View" ein, dass dank ihrer Trekkingtouren besonders beliebt bei Wanderern und Bergsteigern ist und verbrachten bei Gitarren- und Trommelklaengen einen entspannten Abend mit anderen Reisenden auf der Dachterrasse.


Am naechsten Tag fuhren wir mit dem Tuktuk zu den herrlichen "Luckam Water Falls". Wir kletterten ueber ein paar Felsen in einem kleinen Fluss und gelangten so direkt zu den Wasserfaellen, bei denen einige Leute im Wasser sassen, badeten und direkt unter dem Wasserschwall duschten. 


Danach fuhren wir zum "Eravikulam National Park". Dort spazierten wir eine Weile umher, sahen interessante Voegel und entdeckten sogar die Nilgiri Tahr, eine der seltensten Bergziegenarten der Welt. Am Fusse des Ana Mudi, dem hoechsten Gipfel Suedindiens, hatten wir eine beeindruckende Aussicht und konnten beobachten, wie die Wolken neben, unter und ueber uns vorbeizogen.

 

Am Ende des Tages goennten wir uns noch eine Massage und waren schon voller Vorfreude am darauffolgenden Tag die naechste Reise zu den Backwaters in Alleppey anzutreten.

 

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11.5.14 10:00, kommentieren

Affenhitze, Afro und Abzocke

 

So langsam haben wir uns ja schon an den chaotischen indischen Verkehr gewoehnt, der irgendwie sein eigenes System zu haben scheint. Bis "Schimogga Schmogga Schmogga!", wie die Busfahrer hier gerne und laut rufen, verging die Fahrt dank vier indischer Jungs, die mit uns Smalltalk hielten, wie im Fluge. Doch ab dort zog sich die insgesamt neunstuendige Fahrt nur noch wie Kaugummi. An Schlaf war dank der schlechten Strassen und Speadbreaker nicht zu denken - der Ruecken schmerzte, der Hintern brannte und die Luft wurde immer smoggiger und stickiger.

Endlich in Hampi angekommen nahmen wir die erstbeste Bleibe und blieben dort eine Nacht lang. Als wir beim Abendessen waren, ueberraschte uns der erste starke Regenfall. Doch die Luft danach war sehr angenehm.

Die Hitze weckte uns frueh, sodass wir direkt auscheckten und mit der Faehre zur anderen Seite von Hampi fahren konnten. Am Fluss sahen wir einige indische Menschen, die sich und ihre Waesche im Fluss reinigten und zum Trocknen auf die Steine legten.


Der erste Eindruck war schon recht gut und die Aussicht auf die grossen Felsen, die Steinlandschaft und die Tempelruinen war eindrucksvoll.


Dank des Reisefuehrers fanden wir schnell unsere Unterkunft "Manju"s Place" und zogen in eine kleine geraeumige Huette zwischen wundervoll gruenen Reisfeldern. Die zahlreichen Mango- und Limettenbaeume, sowie Bananen- und Kokospalmen sorgten fuer eine idyllische Atmosphaere zwischen den Steinhaengen.


Fuer den naechsten Tag buchten wir eine vierstuendige Fahrradtour, um die beruehmten Tempel und Ruinen der Stadt zu besichtigen. der Ausflug war sehr informationsreich und interessant, aber durch die 42 Grad in der Mittagshitze kaum auszuhalten. Von der Anstrengung am Tag waren wir am Abend ziemlich schlapp und entspannten uns nur.

 

 

Erste gesundheitliche Probleme bahnten sich bei unserem Fabi an und wir entschlossen uns, es die naechsten Tage etwas ruhiger angehen zu lassen.

Es wurde von Tag zu Tag immer heisser, sodass selbst die Tiere eine kleine Abkuehlung noetig hatten. So konnten wir beobachten, wie die Einheimischen einen Elefanten im Fluss badeten und sauber schrubbten.


Als wir am Abend zum Kochen bei einer indischen Familie verabredet waren, gingen wir durch die Tempelanlage, um den Mann zu treffen, mit dem wir bereits am Vortag die Tour gemacht hatten. Kaum passierten wir den grossen Tempeleingang, kam auch schon schnurstraks ein Affe auf Maria zu und wollte ihr die Saftflasche, die sie in der Hand hielt, stibitzen. Als der Affe zu ihr hochspringen wollte, warf sie die Flasche vor Schreck zu Fabi. Ein anderer deutscher Reisender beobachtete das lustige Spektakel, so kamen wir mit ihm ins Gespraech und er begleitete uns zur Cookingclass.


Es war sehr interessant mal in das Leben einer indischen Familie schauen zu duerfen. Sie hatten zwei Raeume zur Verfuegung: eine kleine Kueche, in der es sehr viel Kuechengeschirr (Toepfe, Schuesseln), eine Gasherdplatte und eine kleine Gebetsecke gab - und ein Schlaf-/Wohnzimmer mit einem Schrank, einem Fernseher und sonst nur einer Art Strohteppisch, auf dem sich das komplette Familienleben abspielt.


Das Essen war sehr zwiebel- und knoblauchlastig, wovon es uns, in Verbindung mit der Hitze, am naechsten Tag nicht viel besser ging. Zum Glueck konnten wir uns am Abend noch aufrappeln und liehen uns ein paar Mofas aus.


Es war einfach super! Ein wundervolles Gefuehl von Freiheit machte sich breit, als wir durch wunderschoene Landschaften, vorbei an vielen Reisfeldern, grossen Gesteinsbrocken und durch kleine Doerfer fuhren. Unser Ziel war es, zu dem beeindruckenden See zu gelangen, von dem uns schon einige Leute erzaehlt hatten. So verbrachten wir einen tollen Nachmittag, sahen einen Eisvogel und kamen mit Anbruch der Dunkelheit mit den Mofas in unsere Huette zurueck.


Der naechste Tag sollte relativ normal und ruhig beginnen, dann zunehmend verrueckter werden und schlussendlich im Chaos enden. Nachdem wir uns geduscht und unsere Sachen gepackt hatten, checkten wir in "Manju"s Place" aus und fuhren mit der Faehre zur anderen Seite, um dort ein letztes Mal in "Gopi"s Rooftop Restaurant" zu fruehstuecken.

Schon ein paar Tage zuvor waren wir dort fruehstuecken und beobachteten zwei gruene Papageien in ihrem Kaefig auf dem Balkon. Als wir an diesem Morgen nur noch einen Vogel auf seinem Kaefig sitzen sahen, erzaehlte uns der Besitzer, dass sein Freund weggeflogen sei und der Zurueckgebliebene aufgrund einer alten Verletzung nicht mehr fliegen koenne. Fabi machte noch ein Bild von ihm und wir beobachteten eine Weile, wie er auf seinem Kaefigdach hin- und hertaenzelte. Kurze Zeit spaeter hoerten wir ein seltsames Geraeusch. Fabi schaute ueber den Balkon nach unten auf die Strasse und sein Gesichtsausdruck sagte alles.


Das konnte ja nur ein schlechtes Omen bedeuten!

Unsere Reise nach Puttaparthy wurde uns von mehreren Seiten als voellig unkompliziert beschrieben. Lediglich zwei Mal sollten wir umsteigen und schon sei man am Ziel - denkste Puppe! Ein Tuktukfahrer empfahl uns mit dem Zug zu fahren, also warteten wir rund zwei Stunden lang auf einen komplett ueberfuellten Zug, in den sich noch einige hundert Leute hinein draengten und sogar auf der letzten Stufe hingen, um noch mitfahren zu koennen. Schweren Herzens entschieden wir uns gegen diese "bequeme" Fahrt und fuer eine freudig heisse Fahrt mit dem Bus.

Der versprochene Direktbus in der naechsten Stadt endete jedoch in einer insgesamt siebenstuendigen Fahrt vollkommen ohne Plan und mit der staendigen Hoffnung endlich eine direkte Verbindung nach Puttaparthy zu bekommen. Als wir dann nur noch 40km entfernt waren, gab es jedoch keinen Bus mehr, da es bereits weit nach 22:00 Uhr war. Noch nie waren wir so froh eines der kleinen gelb-schwarzen Gefaehrten auf drei Raedern (Tuktuk) zu sehen, das uns schlussendlich an unseren Wunschort brachte. 

 Um diesem vollkommen chaotischen Tag die Krone aufzusetzen, hatte Fabi, als wir ausstiegen, den kompletten Schoss mit Marias geplatzter Sonnenmilch beschmiert, ebenso wie deren Rucksack und zu guter Letzt bemerkten wir auch noch, dass Kaddis neue Hose am Heck komplett aufgerissen war. Da mussten wir alle aus Erschoepfung und ein bisschen Wahnsinn ganz schoen lachen, waehrend der Gasthausbesitzer auf das Geld seiner drei neuen, lodderigen Bewohner wartete. Was fuer ein verrueckter Tag! :D


Die kleine Stadt Puttaparthy ist der Geburtsort von Shri Satya Sai Baba, einem heiligen Heiler und Hellseher, um den sich das komplette Stadtleben dreht. Kaum vorstellbar, wie sehr die Bewohner der Stadt ihn verehren und ihn durch Plakate, Schluesselanhaenger, Poster, Aufkleber und allem nur denkbaren Ramsch in den Alltag integrieren. Die komplette Stadt ist im Baba-Wahn - sein Afro ist einfach immer praesent. Ueberall in der Stadt sind Zitate Babas auf Steintafeln geschrieben, der fuer die Menschen viel Gutes getan hat. Unter anderem liess er zahlreiche Hochschulen errichten, Strassen, Museen und ein grosses Krankenhaus bauen, fuer das niemand Gebuehren zahlen muss. Ausserdem entwickelte sich dank seiner zahlreichen Anhaenger, das einst kleine Dorf zu einer Stadt.

 

Eine kleine Rundfahrt mit dem Tuktuk fuehrte uns zu einigen heiligen Meditationsorten, bei denen wir zum Beispiel in einer Art Minikeller sassen und unter "den Augen Babas" in uns gehen konnten oder in einem Tempel, in dem eine weisse Babastatue vorzufinden war, deren Fuesse wir beruehren sollten. Danach bekamen wir, wie auch zuvor, mit Pulver einen Hindupunkt auf die Stirn, Ketten und Bonbons. ;D


Auf dem Ashramgelaende war alles strikt nach Frauen und Maennern getrennt: Eingaenge, Schlaf-, Essens- und Gebetsraeume und sogar die Anstellschlangen am kleinen Kiosk.

 Am Abend kamen wir wieder gut mit einigen Verkaeufern ins Gespraech und bis auf die vielen armen und bettelnden Menschen fiel der Eindruck der Stadt recht positiv aus.

 

Am naechsten Tag machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Bangalore, wo wir jedoch nur eine Nacht bleiben wollten. Zu unserer Ueberraschung ist die Stadt gruener und schoener als wir sie uns vorgestellt hatten. Einer der Gruende fuer unseren Aufenthalt in einer der groessten Staedte Indiens war der Besuch eines Bollywoodfilms im Kino. Wir schauten uns den Film "Queen" auf Hindi an, den wir dank der vielen englischen Dialoge erstaunlich gut verstanden und als sehr witzig empfanden.


Bevor wir jedoch ins Kino durften gab es eine Taschenkontrolle, bei der wir die Kameraakkus und unsere Schokolade abgeben mussten. Ganz schoen streng - dachten wir uns und sahen im Foyer eine Tafel, auf der alle verbotenen Dinge aufgelistet waren, z.B. Kaugummis und HELME.

Bevor wir am naechsten Tag weiter nach Mysore fuhren, besuchten wir noch den Rajamarket in Bangalore, wo es besonders viel Schmuck und Stoffe zu sehen gab. 


In Mysore lernten wir den Tuktukfahrer Aslam kennen - auf den ersten Blick ein sehr freundlicher und zuvorkommender Junge. Doch bald ahnten wir, dass dies eine Fassade war. Er zeigte uns eine Unterkunft in der Stadt und lud uns am naechsten Morgen zum Fruehstueck bei seiner Familie ein. So kauften wir Eier, Milch, Mehl, Zucker und Wasser ein und bereiteten gemeinsam mit seiner Cousine Chapati und Omlett zu.

Die versprochene Sightseeingtour begann direkt danach in einem Hinterstuebchen, in dem Oele und Raeucherstaebchen angeboten wurden. Aphrotisiert von den ganzen Dueften verfielen wir bald dem Kaufrausch. Anschliessend ging es tatsaechlich zu einer Sehenswuerdigkeit, dem Maharadscha Palace.


Der Hof des Palastes war sehr schoen - tolle Pflanzen, riesige Baeume, Elefanten, Kamele und ein Palast wie aus 1000 und einer Nacht. Von innen war der Palast auch sehr eindrucksvoll und voller Prunk, doch leider mussten wir fuer jede Kleinigkeit einen Tip bezahlen, was uns ganz schoen gegen den Strich ging. Zum Beispiel dafuer, dass unsere Schuhe aufbewahrt wurden und fuer eine voellig witzlose Taschenkontrolle. Am meisten jedoch vermieste uns die Laune, als ein paar Sicherheitsleute deutsche Muenzen sehen wollten und diese einfach behielten ohne zu fragen - und wie soll es auch anders sein, verstanden sie ploetzlich auch kein Englisch mehr. Veraergert verliessen wir das Palastgelaende.


Wir sahen noch ein paar weitere sehenswerte Orte, doch leider war unser Trip nach Mysore mehr eine Ansammlung von nervigen Verkaufsfahrten.


Am naechsten Tag fuhren wir erneut zum Fruehstueck zu Aslams Cousine und anschliessend nach Srirangapatnem. Dort besichtigten wir unter anderem einen Fluss, dessen Zustand uns sehr traurig stimmte. Zum Teil badeten sich die Leute darin und wuschen ihre Waesche und trotzdem warfen sie ihren Muell und alte Kleidung einfach hinein - eine einzige ekelhafte Muellhalde! Nach Aslams Erklaerung war uns die Einstellung der Leute in Sachen Muellentsorgung klar: "Wenn die Monsunflut kommt, nimmt sie alles mit sich fort. Und dann ist es wieder weg." - Da fehlt einfach jegliche Bildung, ganz nach dem Motto: "Aus den Augen, aus dem Sinn."


 Der Markt von Mysore gefiel uns jedoch sehr gut. Frisches Gemuese und Obst, bunte Farben, Blumen, duftende Gewuerze und Oele konnte man an mehreren Staenden sehen. Hier erfuhren wir auch, dass wir bei unserem Oelkauf in der Stadt vermutlich uebers Ohr gehauen wurden. Wem soll man da noch glauben?! Schwierig, aber wir aergern uns trotzdem ein wenig ueber unsere Gutglaeubigkeit.


Frueh reisten wir am naechsten Tag weiter nach Madikeri. Dort suchten wir uns eine Bleibe, die im Reisefuehrer folgendermassen beschrieben wird: "Anchorage Guest House; absolut schlichte Zimmer mit Bad, aber in einer ruhigen Nebenstrasse in der naehe des Busbahnhofes" Diese vollkommen harmlose Darstellung brachte uns ganz schoen zum Lachen, denn als wir die Zimmer besichtigten, fanden wir uns in einer vollkommen heruntergekommenen Bruchbude wieder, mit Schimmel an den Waenden, kaputten Betten und einem ekelerregenden Badezimmer. Im Nebenraum, in dem sie offensichtlich den Muell lagerten, wollten sie extra fuer uns noch aufraeumen, doch wir versichteten gerne - nicht fuer 300 rupees!

Schlussendlich zogen wir in ein netten Zimmer in der "Kodagu Residency". Wir machten uns auf den Weg zu den Abbey Falls, doch dieses Mal nicht mit einem Fahrzeug, sondern zu Fuss. Dieser rund 10km lange Spaziergang fuehrte uns vorbei an schoenen bluehenden Kaffeeplantagen, kleinen Waeldchen und duftenden Blumen zu einem Wasserfall. 


Anschliessend kauften wir Gemuese und kochten uns am Abend eine leckere Suppe. Was wir nicht wussten war, dass auch in der Kraeutermischung eine Menge Chili drin war. Ein schoener letzter Abend.

Mit dem Abschied von Madikeri verabschiedeten wir uns auch vom Bundesstaat Karnataka und machten uns auf den Weg nach Kannur in Kerala. 

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